Hans Pfitzinger hat die taz auf seiner Webseite eine Weile lang täglich wütend zerrissen. Im Juli 2009 wurde bei ihm Krebs diagnostiziert, jetzt liegt er im Sterben. Die taz-Redakteurin Anja Maier hat ihn besucht und in der aktuellen Wochenendausgabe der taz diese Reportage veröffentlicht:

Hans Pfitzinger ist froh. Froh um das viele gute Essen, das ihm jederzeit auf Wunsch kredenzt wird. Froh um Cora und Ludwig, die beiden Wellensittiche in der Loggia, die ihr Tschilpen den stillen Flur hinunterschicken. Froh um jede Morgendämmerung, die vor seinem Fenster anbricht. Dann weiß er, dass er doch wieder aufgewacht ist. Dass er noch nicht tot ist.

Was macht dieser Hans Pfitzinger da? Er lebt. Er stirbt. Er ist zufrieden. Muss seine Ruhe einen verwundern? Vielleicht, wenn man Pfitzinger von früher kennt. Als er wütend wirkte. Und manchmal aggressiv.

Der Mann, der gern und ausgiebig die taz geschmäht hat, der dabei so fies sein konnte, dass sich taz-Redakteure immer wieder persönlich attackiert fühlten, er ist in ein kleines, blau und gelb gestrichenes Zimmer umgezogen und erwartet seinen Krebstod. Alles Bittere und Gallige hat er abgestreift.

Im April 2008 fing das an mit ihm und der taz. Plötzlich gab es da einen Blog im Internet, den taz-Blog. Ein unbekannter Mann - “Name: Hans Pfitzinger, Wohnort: München, Beruf: Schreiber, Leser, Seifenbläser” - knöpfte sich im Netz jeden Tag die taz vor. “Lob & Tadel, Perlen & Mist” kündigte er an, aber meist war es fast ausschließlich Mist, den er da in seiner Zeitung fand. Entsprechend schäumend und unduldsam fiel seine Kritik dann aus.

Dem Autor eines “unsäglichen Beitrags” im Kulturteil empfahl der Seifenbläser Pfitzinger, dieser könne “mal mein Fahrrad aufpumpen, bevor er wieder so einen Unfug schreibt”. Einen Auslandsredakteur bezichtigte er, “Hinrichtungsjournalismus” zu betreiben. In seinen täglichen Blogeinträgen ist viel von “reißerischen Hetzartikeln”, “üblen Aufmachern” und “Journalismus unterster Schublade” die Rede. Von “Leerkopf-an-Kopf-Rennen”, Kommentaren, in denen “absolut nichts drinsteht”, und es gibt Kolumnen, da tippt er nur noch: “Würg!”

Manchmal findet der unbekannte Blogger auch etwas gut. Sarah Wagenknecht zum Beispiel. Ein ums andere Mal fordert er die taz-Fotoredaktion auf, “schönere Bilder” von der Kommunistin ins Blatt zu heben. Ist er ausnahmsweise mal zufrieden, verbucht er das für sich - er schlussfolgert dann, die Stümper in der Redaktion müssten seinen Blog gelesen und entsprechend ihr journalistisches Treiben berichtigt haben.

So war es natürlich nicht. Im taz-Intranet machten Mails mit den abgefahrensten Pfitzinger-Sottisen die Runde. Hat der Mann sie noch alle, fragten sich viele. Wer ist das überhaupt? Und woher nimmt der die Zeit, Tag für Tag seinen Ekel an dieser Zeitung ins Netz zu kotzen?

Es lacht sich so hin über einen Besessenen, der den Ton nicht trifft. Einen, von dem man glaubt, der mache Wind, weil er, der freie Journalist, auch mal wahrgenommen werden will. Das grinst man weg, schüttelt es ab wie ein lästiges Insekt. Obwohl auch klar ist: So wie dieser Pfitzinger da, der Geiferer von München, so ticken auch andere. So leiden Leser an und mit ihrer Zeitung, taz-Leser zumal. Und natürlich hat er nicht nur unrecht mit dem, was er da herausbellt. Es gibt halbgare Berichte, unaktuelle Reportagen, drückebergerische Kommentare.

Im blaugelben Hospizzimmer öffnet sich die Tür. “Ich wäre jetzt da, Herr Pfitzinger”, sagt die Abendschwester. “Wunderbar.” Er strahlt. “Haben Sie noch etwas von dem guten Obstkuchen?” Nein, aber Sandkuchen. Den nimmt er. Und einen Kaffee, Milch bitte, keine Sahne! “Das ist so liebevoll, wie die hier mit den Patienten umgehen”, freut er sich, “ich habe das Gefühl, hier bin ich richtig.”

Lesen, essen, dösen - so einfach ist es jetzt für ihn, glücklich zu sein. In leiser Ferne nur noch sein altes Gebelle gegen eine Zeitung, die ihm nicht passt. Woher kam diese Ablehnung? “Ich hatte das Gefühl, die taz geht den Weg der größten Anpassung”, sagt Hans Pfitzinger. “Dann hab ich mir gesagt, heh, jetzt bin ich über sechzig und hab ein bisschen Erfahrung, also will ich die jungen Leute dazu anregen, aufmüpfiger zu werden.” Die jungen Leute? Eine Frage der Perspektive, wenn man 64 Jahre alt ist und wenn es dreißig Jahre her ist, dass man für deutsche Musikzeitschriften aus dem aufregenden Kalifornien berichtet hat.

Ganz schmal sitzt er da, schaut durch seine starke Brille hinaus in den winterlichen Park des Johannes-Hospizes in München. Ob er weiß, dass unten in der Eingangshalle eine Kerze neben dem aufgeschlagenen Totenbuch brennt? Heute nacht um 3.30 Uhr ist in einem der zwölf blaugelben Zimmer ein Patient gestorben.

Pfitzinger lebt noch. Seine Füße in den grauen Filzschuhen liegen unten auf der Querstrebe des Rollstuhls Marke Meyra, beim Reden sausen vor dem Oberkörper die Hände mit den sorgsam gefeilten Nägeln auf und nieder. Er hat keine Schmerzen. Seine Stimme klingt selbstbewusst, schön bayerisch rollt Pfitzinger das R, der ironische Tonfall macht Lust aufs Gespräch. Kaum zu glauben, dass so ein angenehmer Mann so giftig gewesen ist.

Natürlich”, sagt er, “ich wollte auch provozieren mit dem Blog. Manchmal habe ich ‘ne richtige Wut gekriegt auf die taz. Die Inlandsseiten - eine Zumutung. Oder gewisse Korrespondenten! Soll ich Namen nennen?” Er nennt Namen. Er weiß unglaublich gut Bescheid über diese Zeitung und die Menschen, die für sie schreiben. Er muss sie wohl mögen. “Es ging mir nicht ums Auskotzen”, fügt er hinzu. “Heh, als Mensch kriegt man nun mal auch eine Wut, ich bin menschlich. Da hab ich das im Netz so stehen lassen.”

Jetzt steht es da, ein Dokument vom Ringen eines Lesers mit seiner Zeitung. Viele Monate hoch subjektiver Rezeptionsgeschichte. Und fast nie hat ihm einer geantwortet, nie einer zurückgeschlagen oder sich gewehrt. Jetzt ist es zu spät.

Am 30. Juni 2009 hat er wie jeden Morgen seine taz aufgeschlagen. Michael Jackson war gerade gestorben, womöglich durch einen Behandlungsfehler, und in seinem Blog echauffierte Pfitzinger sich über den “schwachsinnigen Ausdruck Leibarzt”, den er auf der Wahrheit-Seite aufgespürt hatte. Am selben Tag ging er selbst zum Arzt, er hatte Leibschmerzen. Zwei Tage später die Diagnose: Speiseröhrenkrebs. Die Ausgabe vom 1. Juli hat er nicht mehr besprochen, auch nicht die vom 2. Keine mehr.

Stattdessen schrieb er nun über sich, ausschließlich. HANSblog heißt seine neue Online-Depesche, und wenn jemand wissen möchte, wie ein Krebspatient sich fühlt, was er durchmacht und hofft und wie in diesem Land das Gesundheitswesen funktioniert, dann gehört dieser Blog zum Lesenswertesten, was es gibt zu diesem Thema. Dort schreibt Pfitzinger über seine vier Chemotherapien. Über durchlittene Tage und Nächte, über Schlafmangel, Medikamente und Schmerzen. Viel von Büchern, die trösten. Er schreibt so wie vorher schon alles raus. Aber diesmal geht es um Wesentliches: um ihn. Das Leben. Den Tod. Und es ist weit mehr als bloße Provokation, Ringen um Aufmerksamkeit. Er, der alte Journalist, kann es ja.

Im November bricht er die vierte Chemotherapie ab, im Dezember wird er in die Palliativstation ins “Rechts der Isar” eingewiesen.

Im Januar zieht er ins Hospiz um. Zimmer elf. “Meine letzte Adresse”, sagt Hans Pfitzinger.

Er regt sich nicht mehr so wahnsinnig auf. Das wäre ja sinnlos. Er ist jetzt neugierig auf das, was ihn da erwartet, wenn die Morgendämmerung ausbleibt. “Für den Tod fehlt uns das gedankliche Werkzeug”, stellt er nüchtern fest, hier im Hospiz gehe es nur noch darum, “dass man dem Menschen angenehm rüberhilft.”

Und angenehm ist es. Pfitzinger, der als Kind seine Mutter an den Krebs verloren hat, dieser 68er, der Lektorinnen, die seine Buchmanuskripte abgelehnt haben, schon mal als “blödstudierte Germanistinnen” abgekanzelt hat - ihn rühren all diese freundlichen Frauen im Hospiz, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen. All die Schwestern, Köchinnen, Atemtherapeutinnen, die ihn waschen und mit Lavendelöl einreiben, ihm Wurstsemmeln und Obstkuchen mit Gelee herbeitragen, die ihm zuhören und seine Hand nehmen. Die sagen: Du wirst sterben, bis dahin helfen wir dir.

Seinen Tod hat er geregelt. Seine Stiefschwester wird die Wohnung auflösen, er hat ein Testament geschrieben. Und begraben werden will er auf dem alten Haidhauser Friedhof. “Ich habe festgestellt: Da ist Platz, da kann ich meine Urne gut unterbringen.” Und wenn für Pfitzinger, Hans - geboren 1945, gestorben 2010 - in der Eingangshalle des Hospizes die Kerze neben dem Totenbuch angezündet wird, schickt ein Vertrauter allen Freunden, Verwandten, Lieben und Lesern Hans Pfitzingers allerletzte Mail zu. Sie haben Post.

Anja Maier, 44, ist sonntaz-Redakteurin. Hans Pfitzinger nannte sie in seinem Blog eine “Hohlspießerin” und “Dünkelkolumnistin”, eine ihrer Reportagen kritisierte er als “widerlichste Art von Boulevardjournalismus”.


Liebes Internet-Tagebuch,

wie sehr ich mich freue: Kai Diekmann, der Chef der BILD-Zeitung, unterstützt unsere taz nicht nur durch seinen Eintritt in die Genossenschaft, sondern er will die taz-Mitarbeiter auch durch Direktzahlungen finanziell unterstützen. Ich jedenfalls habe ihn schon als Kunden gewinnen können: Er hat ein Foto, das ich bei seinem Auftritt bei der taz-Genossenschaftsversammlung angefertigt hatte, mehr als drei Monate lang auf seiner Internetseite veröffentlicht, wofür mir nun ein Honorar von 240,75 Euro zusteht (siehe anbei die Rechnung, die ich ihm geschickt habe). Sieht so aus, als ob ich neben den ganzen anderen Medien, für die ich bisher geschrieben habe, meinen Kundenstamm wieder ein Stück erweitern konnte. Ist das nicht großartig?

Ich hoffe auf eine lang andauernde und ertragreiche Geschäftsbeziehung!
Dein Sebastian

PS: Dies ist übrigens das Foto:

kai

Rechnung 1/2010

Kai Diekmann
Axel Springer AG
Axel-Springer-Straße 65
10969 Berlin

Berlin, den 2. Februar 2010

Lieber Genosse Diekmann,

es hat mich gefreut, Sie auf der Genossenschaftsversammlung unserer taz getroffen zu haben! Vor allem freut mich, dass Ihnen die Fotos, die ich dabei schoss, so gut gefielen, dass ich Sie als neuen Kunden meiner journalistischen Dienstleistungen gewinnen konnte und Sie eines dieser Fotos veröffentlicht haben.

Die Fotos hatte ich zunächst im Hausblog der taz veröffentlicht. Im Oktober hatte sich die liebe Kollegin G. aus der BILD-Fotoredaktion über die taz bei mir gemeldet und wollte die hochauflösende Version der Fotos zugeschickt haben. Ich hatte ihr die Fotos daraufhin gemailt und geschrieben: „Anbei die Fotos, die ich vom Genossen Diekmann geschossen habe. Sie sind frei zur privaten Verwendung. Falls die Fotos veröffentlicht werden sollen, klären Sie vorher bitte das Honorar mit mir.“ Frau G. hatte geantwortet: „herzlichen Dank für die Fotos. Sollten wir die Bilder einmal veröffentlichen wollen, werde ich mich vorher bei Ihnen melden.“

Eine solche Meldung gab es dann nicht mehr. Ich kann mir das nicht anders erklären, als dass Ihre Rechercheure auf meine Webseite www.sebastian-heiser.de gestoßen sind, wo im Impressum steht, dass ich ein Fotohonorar entsprechend den Empfehlungen der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing berechne, falls nichts anderes vereinbart wird. Außerdem heißt es dort, dass ich einen Zuschlag von 50 Prozent berechne, falls ein Text oder ein Foto ohne einen Hinweis auf mich als Urheber verwendet wird. Gemäß den für das Jahr 2009 geltenden Empfehlungen stelle ich daher eine Abbildung auf einer deutschsprachigen Webseite für eine Nutzungsdauer von 3 bis 6 Monaten auf einer Unterseite in Rechnung:

Grundhonorar: 150,00 Euro
Zuschlag von 50 Prozent: 75,00 Euro
Zwischensumme: 225,00 Euro
7 % Umsatzssteuer: 15,75 Euro
Gesamtsumme: 240,75 Euro

Bitte überweisen Sie innerhalb von zwei Wochen den Gesamtbetrag von 240,75 Euro auf mein Konto mit der Nummer 1253XXXXX bei der Sparkasse Frankfurt, BLZ 50050201.

In der Hoffnung, Sie dauerhaft als Kunden gewinnen zu können und

mit besten Grüßen aus der Rudi-Dutschke-Straße

Sebastian Heiser


Seit dem Jahr 2002 berichtet Hans-Ulrich Dillmann für die taz aus der Dominikanischen Repbulik und dem Nachbarstaat Haiti. Er war bereits einen Tag nach dem Erdbeben am Ort des Geschehens. In der Sonntaz beschreibt er, wie er von dem Unglück erfährt und sich auf den Weg nach Port-au-Prince macht und wie er das Chaos und die Schicksale erlebt. “Die Lebenden sind schwerer zu ertragen als die Toten - ihnen fehlt der flehende Blick”, schreibt er. Am Freitag war er im taz-Café und sprach mit Chefredakteurin Ines Pohl über seine Erfahrungen:

Bei der taz ist es übrigens nicht Zufall, dass ein Autor von uns so nah dran ist. Wir haben auch Korrespondenten in Argentinien, Australien, auf dem Balkan, in China, Frankreich, Indien, Irland, Israel, Italien, Japan, Kenia, Polen, Rumänien, Russland, Schweden, in der Schweiz, in Spanien, Südafrika, Südamerika, Südostasien, in der Tschechischen Republik, der Türkei, in den USA, in Westafrika und Zentralasien.


Viele Studentinnen und Studenten haben den Heiligabend im Hörsaal verbracht anstatt bei ihren Eltern. Nicht, weil es dort gemütlicher ist als unterm Weihnachtsbaum, sondern um zu protestieren. Dass sich so viele Studierende für ihre Unis eingesetzt haben, auf die Straße gingen und Vorlesungen boykottierten, hat gezeigt: Das Thema Bildung bewegt. Zwar ist vorerst Ruhe eingekehrt - doch die Probleme sind noch lange nicht gelöst und die Frage “Welche Uni brauchen wir?” noch lange nicht geklärt. Im taz-Bildungslabor im April, auf www.taz.de, in taz-Blogs und auf der Bewegungsseite der taz im Netz wird der Fokus künftig noch stärker auf Themen rund um Hochschulpolitik, Bildungsstreik und Unireformen liegen.

Mit dem Relaunch des Onlineauftritts der taz hat sich nicht nur die Optik der Seite verändert, sondern auch Inhaltliches: Endlich hat Bildung einen eigenen Menüpunkt - und der will gefüllt werden. Mit Reportagen, Interviews und Porträts aus der Zeitung, aber auch darüber hinaus: Online wollen wir allen interessierten Usern die Gelegenheit geben, die Debatten aus der Zeitung weiterzuführen, zu kritisieren, weiterzudiskutieren.

Neu auf taz.de ist außerdem der Schwerpunkt www.taz.de/uni, in dem die Hochschulthemen prominent gebündelt sind. Hier steht das Neue von der Hochschulfront, alles Wichtige über die Uni von heute und morgen - aktuell und hintergründig. Damit alle gut informiert sind, die am 24. April bei unserem taz-Labor mitstreiten wollen.

Parallel dazu werden taz-AutorInnen künftig im neuen taz-Bildungsblog präsent sein. Dort gibt es Raum für das, was in Blogs und nicht auf gedrucktes Papier gehört. Zum Nachdenken, zur Provokation, zum Austausch. Wie lange dauert es, bis Schulen und Hochschulen im Web 2.0 ankommen? Was sagen die Unbefragten, Ausgegrenzten? tazler erzählen hintergründig von spannenden und ernüchternden Gesprächen, die den Redaktionsalltag begleiten. Wie weit die Planung für das Bildungslabor fortgeschritten ist, welche Gäste wir begrüßen, welche nicht, all das steht hingegen im taz-Hausblog.

Manchmal muss es aber auch schneller gehen. Wenn ein Hörsaal besetzt oder ein Plenum einberufen wird, reicht die Zeit nicht für einen Artikel oder Blogbeitrag. Die AktivistInnen des Bildungsstreiks (#unibrennt) haben es vorgemacht: Manchmal sagen 140 Zeichen mehr als 140 Worte. Mit dem Twitterfeed “tazlab_bildung” knüpfen wir daran an und versuchen, uns noch besser zu vernetzen. Wir möchten mit unseren Followern interagieren, freuen uns über Nachrichten und verfolgen gespannt, was in den noch besetzten Hörsälen passiert.

Auf bewegung.taz.de finden sich Aktionen rund um Bildung und Hochschule - schließlich heißt die Seite nicht umsonst “Plattform für Veränderung”. Auch das Bildungsblog wird künftig auf der Bewegungsseite zu finden sein. Aber was die Bewegung angeht: Dafür ist natürlich nicht die taz zuständig. Wir bieten das Forum. Bewegen müssen Sie sich schon selbst.

Das taz-Labor am 24. April im Haus der Kulturen der Welt in Berlin dient nicht nur als Treffpunkt für alle Uni-Interessierten, sondern auch für illustre Gäste, die Visionen mitbringen, dem Publikum Rede und Antwort stehen und sich auf den Zahn fühlen lassen. Der Kongress findet im Haus der Kulturen der Welt statt - dort war vor einem Jahr schon der tazkongress zu unserem 30. Geburtstag:

Das taz-Bildungslabor

Was? Die Veranstaltung umfasst um die 15 Podien, Werkstätten und Lectures, die sich um die Frage drehen: Welche Uni wollen wir? Das taz-Labor findet anlässlich des 31. Geburtstags der taz statt.

Wann? Samstag, 24. April 2010, von 9 bis 18 Uhr.

Wo? Im Haus der Kulturen der Welt in Berlin, wie schon der taz-Kongress zum 30. Geburtstag.

Wie? Hintergrundberichte, Foren und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf www.taz.de. Karten für das taz-Labor gibt es voraussichtlich ab Ende Februar im taz-Shop.

Wer kommt? Neben taz-LeserInnen, taz-AutorInnen und BildungsaktivistInnen auch einige Prominenz: Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird da sein. Außerdem zugesagt haben der Jung-von-Matt-Geschäftsführer Andreas Freitag, der Philosophieprofessor und Exkulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Margret Wintermantel, die Bildungsbloggerin Melanie Unbekannt, der Kinderclown, Friedensaktivist und taz-Kolumnist Jean Peters, der FDP-Politiker und Uni-Gründer Konrad Schily, der Rektor der Elite-Uni Aachen Ernst Schmachtenberg, der Hochschulexperte Andreas Keller und die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Ute Frevert.

Wer organisiert? Jan Feddersen, Jana Volkmann, Martin Kaul und Gina Bucher. Inhaltlich werden sie unterstützt von den taz-RedakteurInnen Anna Lehmann, Christian Füller und Kaija Kutter. Martin Kaul kümmert sich um die inhaltliche Berichterstattung.

Franziska Seyboldt, 25, ist Redakteurin bei taz.de und bündelt die Bildung im Netz


taz-Karikaturist Mathias Hühn erhält den mit 5.000 Euro dotierten Karikaturenpreis des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). In der ausgezeichneten Zeichnung zeigt er das unbedingte Festhalten des damaligen SPD-Parteivorsitzenden Müntefering an der Agenda 2010 - und die Folgen. BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff hob bei der Preisverleihung vor rund 300 Gästen die Bedeutung der Karikatur als wichtiges Stilmittel für die Meinungsseiten der Zeitungen hervor. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen sei es die große Kunst der Karikaturisten, einen Schritt vom politischen Geschehen zurückzutreten und die Ereignisse mit Witz und Ironie auf den Punkt zu bringen.

karikatur-muentefering


Die Auflagenlüge

Die überregionalen „Qualitätszeitungen“ reagieren mit verstärkter Auflagenmanipulation auf die bedrohlichen Verluste

Die Welt ist voller Lügen. Rambouillet-Lüge, Spenden-Lüge, Gletscher-Lüge. Dass der Mensch diese als solche erkenne, dafür sind Zeitungen vornehmlich da. Die jüngsten Meldungen der Interessengemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) über die im 4. Quartal 2009 verkauften Auflagen der Tageszeitungen fügen eine Lüge über diese selbst hinzu: die Auflagen-Lüge.

Es ist ja nun eigentlich keine Neuigkeit mehr. In der Branche wird seit Jahr und Tag von nichts mehr geredet als von der Zeitungskrise. Durch Wirtschaftskrise und die Medien-Konkurrenz des Internet sinken die Anzeigeneinnahmen, die Zeitungsverlage sparen an Umfang, Inhalt und Personal und erhöhen gleichzeitig die Bezugspreise. Die Konsequenz: die Auflagen der gedruckten Titel sinken mit ihrer wirtschaftlichen Einträglichkeit noch schneller als die Kosten für Druck, Vertrieb und Redaktion. Das Ende naht.

Mit allerlei Mätzchen wird versucht, die Verluste zu kaschieren. Denn die Auflagen- und Rendite-Verluste werden auch als Verlust von Bedeutung der publizistischen Marke empfunden. Also werden zum Beispiel gern Reichweitengewinne aus den Online-Publikationen den gedruckten hinzugerechnet. Mit welchen Mitteln da getrickst wird, hat gerade die Süddeutsche vorgemacht, die sich zustimmende Lesermeinungen en gros einkaufte und flächig publizierte. Aber ausgefeilte Suchmaschinenoptimierung und Reichweiten vorgaukelnde click-monster sind derart übliche Verfahren des Selbstbetrugs geworden, dass, wer nicht daran teilnimmt, ähnlich blöd zu sein scheint, wie der Investmentbanker, der 2007 nicht mit Zertifik- und Derivaten handelte.

Das übliche Verfahren der holzverarbeitenden Zeitungsindustrie beim Versuch, die Darstellung der wirklichen Verhältnisse am Markt im jeweils eigenen Interesse zu verzerren, bestand und besteht immer noch darin, erhebliche Anteile der publizierten Auflage als „verkauft“ und damit besonders werthaltig zu deklarieren. Denn es interessiert natürlich keinen Anzeigenkunden, wenn ein Verlag angibt, besonders viele Zeitungen zu verbreiten, wenn diese nur verteilt oder vielleicht weggeschmissen oder sonstwie jedenfalls nicht nachweisbar von interessierter Seite gelesen werden.

Es gibt im wesentlichen zwei übliche Wege, wie frei verteilte Auflagenanteile zu verkauften Exemplaren mutieren: entweder wird eine Agentur beauftragt, im Rahmen einer Werbeaktion Gratis-Zeitungen zu verteilen. Die Zeitungen werden dem Verlag aber abgekauft, so dass er sie als verkaufte Auflage in der Buchhaltung führen kann - entsprechend stellt die Agentur dem Verlag eine hohe Rechnung für die gesamte Werbeaktion, um die Kosten zu kompensieren. Der zweite Weg verläuft ähnlich. Fluggesellschaften kaufen Zeitungen zu einem ausgewiesenen geringen Bezugspreis und berechnen im Gegenzug Gebühren für Logistik und Verteilung. Im Ergebnis können Fluggäste umsonst Zeitung lesen und die Verlage diese Stücke als sogenannte „Bordexemplare“ der wertigen Verbreitung hinzufügen.

In der folgenden Tabelle sind die Entwicklung der verkauften Auflage sowie deren anteilige Abos, Einzelverkäufe, Bordexemplare und sogenannte Sonstige Verkäufe im 4. Quartal 2009 und prozentual die jeweilige Veränderung zum Vorjahresquartal (4. Quartal 2008) aufgeführt. Nach der üblichen Definition beginnt der Sonstige Verkauf unterhalb des Verkaufspreises, der einem Rabatt von 35 % auf den regulären Bezugspreis entspricht.

IVW2009-4

Wie man sieht, haben alle überregional vertriebenen Tageszeitungen (außer Süddeutsche und taz) ihre Bordexemplare drastisch erhöht. Addiert man Bordexemplare und Sonstige Verkäufe, kommt man zu teilweise absurden Anteilen von nahezu höheren verschenkten Auflagen als der als „verkauft“ gemeldeten.

Was in der Tabelle fehlt, ist die „Welt“. Nun sagt mein Geschäftsführer-Kollege zwar, die Auflagenmeldung von Springers sogenanntem „Flaggschiff“ sei ihm „nicht satisfaktionsfähig“, weil sie jegliche Mindesttransparenz missen lasse und durch die unseriöse Vermengung von Welt und Welt-Kompakt sich der Vergleichbarkeit entzöge. Einige Kennziffern des Ergebnisses der Strategie von Konzernlenker Döpfner, der vor ein paar Jahren eine Wende zur „rentablen Auflage“ versprach, sei hier nicht vorenthalten:

IVW04-09Welt

Was im Falle der Welt von rentabler Auflage zu halten ist, kann man unschwer errechnen. Bei FTD und Welt machen Bordexemplare und Sonstige Verkäufe zusammen genommen gleich über 40 % der verkauften Auflage aus. Mit derlei Pfiffigkeiten versucht sich also ein angesichts der Krise zunehmend verwahrlosendes Management in den Verlagen mit Selbstbetrug im großen Stile Mut zu machen. Die Frage ist nur, warum so viele Marktteilnehmer sehenden Auges still halten oder gar an den Legenden bewusst mit stricken.

Gut, die IVW macht mit, was „der Markt“ will. Dessen Teilnehmer werfen lieber nicht den ersten Stein. Oder sind Anzeigenagenturen, die keine Ambitionen haben, ihre Kunden über das unseriöse Treiben aufzuklären. Denn sie profitieren von der scheinbaren Relevanz der Blätter, in denen die Wirtschaft wirbt. Und die Instrumente der Erfolgskontrolle von Werbeanzeigen in den vorgeblich großen Zeitungen sind derart unscharf, dass es nicht hinreichend messbar auffällt, wenn die eine oder andere Zeitung gar nicht ernsthaft gelesen und deren Anzeigen folglich gar nicht wahrgenommen werden.
Nun, das war schon immer so, sagen die, die es schon immer so getrieben haben. Aber die Zeiten ändern sich. Und bald, spätestens eines letalen Tages, wird der eine oder andere systemrelevant Scheinende den Weg der Lehman’s gehen.
Übrigens, bei aller Bescheidenheit: die kleinste Marktteilnehmerin taz konnte als einzige an Auflage gewinnen. Natürlich liegt sie noch Lichtjahre unter den Kennziffern der Konkurrenz. Aber in der Krise und im rückläufigen Markt erweist sich eine Publikation, deren Geschäftszweck Journalismus ist und nicht das Geschäft den Journalismus als Zweck nutzen will, als überlebensfähig.

Andreas Bull ist taz-Geschäftsführer


Während sich die Krise auf dem Print-Zeitungsmarkt verschärft - alle überregionalen Tageszeitungen (außer der taz) und auch alle großen Regionalblätter verzeichnen Auflagenverluste - nahmen die Besucherzahlen auf den News-Seiten im Internet weiter stark zu und auch taz.de verzeichnete 2009 spektakuläre Zuwächse. Auf vielfachen Wunsch dokumentieren wir im Folgenden dieses Wachstum gern noch einmal im Detail - die Tabelle zeigt die Seitenaufrufe ( PIs), Besuche (Visits) und die Zahl der pro Besuch im Durchschnitt aufgerufenen Seiten (PI/Visit Ratio).

IVW-Zahlen 2009 (Seite 2 von 8)


Ab heute geht Sven Regener, Autor u.a. von “Herr Lehmann” und Musiker,  mit seiner Band “Element of Crime” auf Tournee - und wird auf taz.de.  darüber bloggen: “Männer mit Spielplan”

Hier kurz, worum es geht: Wir gehen heute abend auf  Tournee. Es beginnt mit einer Übernachtfahrt, denn morgen ist das erste Konzert in Zürich. Früher bekam man zu Beginn einer Tournee einen sogenannten “Tourrider” ausgehändigt. So nannte man das damals. Da standen alle Konzerttermine drin und für jeden Konzerttermin gab es eine eigene Seite mit Hallen-/Hotel-/Veranstalteradresse, Soundcheck-/Essens-/Auftrittszeiten und vielen Anmerkungen bezüglich irgendwelcher Besonderheiten, außerdem Raum für Notizen usw. In der Regel sagte man nur Rider dazu. Dann kam der Moment, an dem die Süßwarenfirma Mars einen Schokoriegel namens “Raider” in “Twix” umbenannte…”

Weiter geht es hier.


Volontärin gesucht!

Manchmal ist nicht nur wichtig, was geschrieben wird. Sondern auch wer schreibt.

Die taz Panter Stiftung finanziert deshalb eine taz-Volontariatsstelle für eine Frau mit Migrationsgeschichte. Es gibt keine Altersbeschränkungen, spezifische Berufsabschlüsse sind nicht zwingend. Soziales Engagement, Lebenserfahrung und Interesse am Qualitätsjournalismus werden vorausgesetzt.

Das Volontariat beginnt am 1. Oktober 2010 und dauert 18 Monate. Es werden sechs Ausbildungsblöcke durchlaufen: ein mehrwöchiger Grundkurs journalistisches Handwerkszeug im Lokalteil, Mitarbeit in diversen Fachressorts, Online, Kultur/Gesellschaft, Blattmachen sowie ein externes Praktikum. Dazu Kurse außerhalb der taz zu Kommentaren, Reportagen und Multimedia.

Gehalt: Netto Bafög-Höchstsatz plus BVG-Monatskarte

Bewerbungen bitte bis zum 20. Februar per Post an:

taz, die tageszeitung
Chefredaktion
Rudi-Dutschke-Str. 23
10969 Berlin

Das Volontariat wird aus Mitteln der gemeinnützigen taz Panter Stiftung finanziert. Spenden jeder Größenordnung helfen, das Volontariat finanziell auszustatten: Das Spendenkonto der taz Panter Stiftung liegt bei der GLS Bank Bochum (BLZ 430 609 67) und hat die Konto-Nummer 11 03 71 59 00.


Komm, wir treffen uns wieder. Komm, wir denken neu nach. Komm: noch mal Revolte!

Zu ihrem 31-jährigen Geburtstag im April lädt die taz zum Streiten ein - und geht wieder dorthin, wo viele taz-LeserInnen herkommen. Mitten hinein in den wichtigen Streit über die Uni von morgen. Beim taz-Labor am 24. April in Berlin wollen wir wissen: Welche Uni brauchen wir?

Mit dem monothematischen Werkstatt-Kongress widmet sich die taz diesmal konzentriert einer aktuellen Debatte. Von Studierenden umkämpft, allerorten heiß diskutiert: das Desaster an den Unis. Wie schon beim vergangenen Geburtstag: wieder im Haus der Kulturen der Welt, wieder in Berlin, wieder nur mit bestem Wetter.

Das taz-Labor steht dabei nicht für sich. Es ist Anlass für die taz, die Debatte über die Hochschule noch konzentrierter zu führen als bisher. Auf dem Kongress, aber ebenso in der täglichen taz und auf taz.de. In den kommenden Wochen wird dazu ein Schwerpunkt auf taz.de freigeschaltet, mit dem wir unsere Uni-Berichterstattung bündeln. Daneben werden taz-AutorInnen künftig über die Raffinessen, Abwegigkeiten und Randgeschichten des universitären Alltags bloggen.

Organisiert wird das taz-Labor von Jan Feddersen, Jana Volkmann und Gina Bucher, inhaltlich unterstützt von den taz-RedakteurInnen Anna Lehmann, Christian Füller und Kaija Kutter. Sie treffen am 24. April in Berlin auf spannende Gäste wie den Philosophieprofessor und Exkulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz Margret Wintermantel, die Bildungsbloggerin Melanie Unbekannt, den Kinderclown, Friedensaktivisten und taz-Kolumnisten Jean Peters, den FDP-Politiker und Uni-Gründer Konrad Schily, den Diplomvorkämpfer Ernst Schmachtenberg, den Hochschulexperten Andreas Keller und die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Ute Frevert.

Gemeinsam wollen wir über verhunzte Bildungsreformen und das Wissen von morgen, über Sozialselektion und intelligenten Protest, über Demokratie und Uni 2.0 diskutieren. Karten gibt es voraussichtlich ab Ende Februar im taz-Shop. Engagierte Texte, solide Infos, gute Laune gibt’s natürlich schon vorher.

Martin Kaul ist taz-Redakteur und organisiert gemeinsam mit vielen anderen das taz-Labor Bildung.